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Stadtarchiv - Ein Gedächtnis unserer Stadt

Das zentral am Marktplatz gelegene Stadtarchiv wurde nach Zerstörung im zweiten Weltkrieg 1983 wieder gegründet und hat sein Domizil seit 2014 im neu sanierten „Haus der Kultur und Bildung“. Hier werden Zeugnisse unserer Stadtgeschichte, die von der Gegenwart bis ins 17. Jahrhundert zurück reichen aufbewahrt, benutzbar gemacht und erhalten. Der helle und großzügige Studienbereich eignet sich vorzüglich für Ihre Recherchen und Forschungen im Archivgut.

Archivgeschichte

"Archiv ist nichts anderes, als ein gewisser Ort, da die Instrumente publica und andere wichtige und geheime Sachen, die den Staat und Jura des Fürsten und seines Landes anbetreffen, verwahret werden." (Zeidlers Grosses vollständiges Universal - Lexikon 2. Band 1732)
Der lexikalische Eintrag von 1732 ruft vielleicht beim ersten Lesen Erstaunen hervor, doch ein genauerer Einblick in die Archivpraxis zeigt, dass sich an Zeidlers Definition bis in die heutige Zeit kaum etwas geändert hat.

In Neubrandenburg hat das städtische Archiv noch keine lange Tradition. Es gab zwar ein Verwaltungsarchiv, denn man kann nachlesen, dass beim Stadtbrand 1737 der Bürgermeister Wiermann die Anweisung gab, "das Archiv zu retten". Doch später findet sich die Bemerkung, dass Herr Wiermann die große Wasserspritze doch wohl mehr zur Rettung seines eigenen Hauses eingesetzt hat. Durch die Zerstörung der Stadt Neubrandenburg im April 1945 wurde wiederum das bis dahin wieder bestehende Stadtarchiv zerstört.
So sind viele Zeugnisse aus der Zeit bis 1945 unwiederbringlich verloren gingen. Es dauerte noch über zweihundert Jahre bis auch in Neubrandenburg an die Gründung eines Stadtarchivs gedacht wurde. Ein DDR-Ministerratsbeschluss aus dem Jahr 1976 beförderte, dass die Stadtväter 1980 die Gründung eines Archivs beschlossen. Am 3. Februar 1983 wurde das Neubrandenburger Stadtarchiv am Standort Friedrich-Engels-Ring 26 eröffnet. 1990 bezog das Stadtarchiv im Keller des Rathaus-Anbaus (Friedrich-Engels-Ring 53) neue Räume. Aus den anfänglich 480 Regalmetern für Archivgut sind inzwischen mehr als 3000 geworden.

Seitdem hat sich diese junge kulturelle Einrichtung der Stadt zu einem der größten Kommunalarchive des Landes Mecklenburg-Vorpommern entwickelt. Auch gegen die drei "Hauptfeinde" der Archive (Feuer, Wasser und unbefugtes Betreten) waren die Magazine inzwischen bestens gesichert. Jeder Magazinraum war dreifach überwacht. Doch dies allein ist heute nicht mehr ausreichend. Neue Probleme kamen hinzu: der Platzmangel und die Speicherung auf elektronischen Datenträgern. Bei der Menge der anfallenden Archivalien waren die vorhandenen Lagermöglichkeiten fast erschöpft. Die Computertechnik bietet mit digitalen Speichersystemen keine Lösungen für eine dauerhafte Archivierung. Während Dokumenten aus den letzten 150 Jahren Informationsverluste durch die schlechte Papierqualität drohen, ist durch die elektronische Informationsverbreitung und Digitalisierung von Daten eine neue Verlustgefahr entstanden. Im Stadtarchiv wird aus diesem Grunde derzeit noch vielfach auf die konventionelle Methode der Mikroverfilmung zurückgegriffen.

Im Rathaus-Anbau waren spätestens Ende der 1990er Jahre die Lagerkapazitäten ausgelastet. Im Frühjahr 2014 begann der Umzug des Archivs in das umgebaute HKB. Über 100 Tonnen Archivalien wurden kontrolliert, verpackt, beschriftet, transportiert und wieder eingelagert in moderne, klimatisierte Magazinräume mit elektrisch fahrenden Regalanlagen.

Bestände

Das Stadtarchiv bewahrt neben Dokumenten zur Stadtgeschichte auch Verwaltungsakten, Bauunterlagen, Firmenakten, Karten und Pläne sowie Zeugnisse über Schul- und Berufsschulabschlüsse auf. Hinzu kommen Fotodokumentationen, eine umfangreiche Postkartensammlung, Film- und Tonaufnahmen und viele“ tausend interessante Kleinigkeiten“, die als "Sammlungsgut" bezeichnet werden, vom Busfahrschein bis zum DIN A1-Plakat. Die wertvollsten Bestände sind die kompletten "Bürgerbücher" von 1679 bis 1918, die handschriftlichen Ratsprotokolle seit 1729 und das "Buch der Eide", geführt von 1773 - 1925. Diese Dokumente können vom Mikrofilm genutzt werden. Zu den bewegenden Kapiteln der Stadtgeschichte gehören die der Lager des 2. Weltkrieges und der Nachkriegszeit. Die ersten Verzeichnisse des Kriegsgefangenenlagers Stalag II A für die Rote Armee, die Totenliste, die Zugangsjournale vom NKWD-Speziallager Nr. 9 "Fünfeichen" 1945 - 1948 und die Kopie des Lagerfotoalbums aus dem Russischen Staatsarchiv Moskau sind im Stadtarchiv eingelagert. Recherchen zu einzelnen Personen können hier vorgenommen werden. Seit 2007 sind die Archivalien in einem Bestandsverzeichnis nachgewiesen. Ebenso wurde ein Verzeichnis der vorhandenen Zeitungen, Zeitschriften und Gesetzessammlungen erstellt. Zu ausgewählten Themen gibt es Findbücher. Diese liegen in Papierform vor und stehen nach der Softwareumstellung des Stadtarchivs auch für die Internetrecherche zur Verfügung.

Nutzung

Für Historiker, Familienforscher aus dem In- und Ausland, Architektenbüros, Studenten- und Schülerprojekte sowie Ortschronisten ist das Stadtarchiv ein wichtiger Anlaufpunkt.

Für die Direktbenutzung regelt eine Satzung den Umgang mit den Archivalien im Studienbereich. Gebühren, die Archivbenutzer zu entrichten haben, sind in der Verwaltungsgebührensatzung der Stadt Neubrandenburg in ihrer aktuellen Version nachzulesen.

Am 18. Juni 2014 wurde das neue Stadtarchiv an zentraler Stelle am Marktplatz für die Archivnutzer und Gäste geöffnet. Im großzügigen Studienbereich im 2. Obergeschoss können bis zu 20 Personen an Arbeitsplätzen, die alle mit separaten Strom- und PC-Anschlüssen ausgestattet sind, wissenschaftlich arbeiten. Dieser Lesesaal steht sowohl den Archivnutzern als auch den Nutzern der Regionalbibliothek zur Verfügung, die die Sondersammlungen und den Periodicabestand nutzen möchten. Die Archivbibliothek umfasst über 8.000 Bücher. Für die Nutzung der Mikrofilme und Mikrofiches steht ein Reader-Printer (Lese-Kopier-Gerät) zur Verfügung. Personen, die nur eingeschränkt lesen können, haben die Möglichkeit, ein elektrisches Vergrößerungsgerät mit Vorlesefunktion zu nutzen.

Publikationen (Schriftenreihe)

Nicht jeder, der sich für die Geschichte unserer Stadt interessiert, hat Zeit und Muße, in den alten handschriftlichen Akten zu lesen. Daher wurden die wichtigsten Daten der Stadtgeschichte zusammengestellt und in Form einer Chronologie herausgegeben. Die zweite Ausgabe dieser Broschüre liegt seit Dezember 1997 vor und schließt damit eine Lücke für all jene, die Stadtgeschichte schnell und auf einen Blick erfahren möchten. Der Erwerb ist über das Stadtarchiv und den örtlichen Buchhandel möglich.

In der Schriftenreihe “Erlebt und Aufgeschrieben“ werden Alltagserlebnisse festgehalten. Was wir täglich erleben, erscheint oft unwürdig, aufgeschrieben zu werden, aber gerade das illustriert Geschichte und macht sie nacherlebbar. Bisher wurden neun Erlebnisberichte herausgegeben, weitere sind geplant.

Aktuelle Ausstellung

Bis 25. August 2017: Dokumentation über Neubrandenburgs Ringstraßen

Das Stadtarchiv zeigt derzeit Dokumente der mittelalterlichen Wehranlagen um das Stadtzentrum. Die fünf Ringstraßen entlang der Stadtmauer mit den vier Toren, den Wiekhäusern und dem Fangelturm gehören für Einheimische und Gäste zu den beliebtesten Fotomotiven. Neben historischen Ansichten sind Fotografien, Zeichnungen und Pläne aus der Zeit des ersten Sanierungsbeginns in den 1970er Jahren zu sehen.

Erstmals gezeigt werden Kopien von Skizzen Lyonel Feiningers, der in den 1920er Jahren mehrfach in Neubrandenburg weilte sowie Kreidezeichnungen von Jorg Brücke, seinerzeit stadtbekannter Maler.

In einer öffentlichen Führung vermittelt Herr Dr. Harry Schulz Interessierten am 20. Mai 2017 historisches Hintergrundwissen zur Thematik. Die Veranstaltung beginnt um 10 Uhr am Friedländer Tor.
Mit der Schau beteiligt sich das Stadtarchiv an den „Neubrandenburger HOCHzeiten“, dem gemeinsamen Themenjahr der städtischen Kultureinrichtungen 2017.

Besuchen Sie die Ausstellung noch bis 25. August 2017 im Studienbereich des Stadtarchivs, Eingang Darrenstraße.